Stadtrundgang „Es geschah genau hier.“ in Kempten
Kempten trägt Spuren seiner Geschichte nicht nur in Archiven, sondern im Stadtbild selbst. Der Stadtrundgang zum Nationalsozialismus „Es geschah genau hier.“ in Kempten führt an Orte, an denen Verfolgung, Anpassung und Widerstand konkret wurden. Zwischen Allgäuer Idylle und urbanem Alltag eröffnet diese Veranstaltung einen konzentrierten Blick auf die NS-Geschichte Kemptens – dort, wo sie sich ereignete. 🕯️🏛️
Der Stadtrundgang macht Station an Plätzen, Gebäuden und Straßen, die unmittelbar mit der Zeit des Nationalsozialismus verbunden sind. Im Mittelpunkt stehen jüdische Opfergruppen und weitere ideologisch verfolgte Kemptener:innen ebenso wie Täter:innen, Orte des NS-Verwaltungsapparates und des Militärs. Ziel ist es, ein realistisches Bild der damaligen Stadtbevölkerung zu zeichnen. Unterschiedliche Perspektiven werden bewusst nebeneinandergestellt, um Komplexität sichtbar zu machen. 📚🗺️
Zu den zentralen Stationen zählt der August-Fischer-Platz, ehemals Bahnhofsplatz. Von hier aus wurden Kemptener Jüd:innen und andere Opfergruppen deportiert, ebenso KZ-Häftlinge; zugleich war der Ort Ausgangspunkt für Truppentransporte aus dem Allgäu an die Front. Die Bahnhofstraße 10, das Wohnhaus der jüdischen Familie Löw, steht exemplarisch für die Entrechtung und Verdrängung jüdischen Lebens in Kempten. 🕍🚂
Auch die Allgäuhalle wird besucht – ein Außenlager des KZ Dachau und zugleich Ort von Reden Adolf Hitlers in Kempten. Die Sheddachhalle der Spinnerei und Weberei, ebenfalls ein Außenlager des KZ Dachau, war Teil der Rüstungsindustrie. Hier verdichten sich lokale Industriegeschichte und NS-Zwangsarbeit zu einem bedrückenden Befund. Die Veranstaltung macht deutlich, wie eng wirtschaftliche Interessen und nationalsozialistische Herrschaft verflochten waren. 🏭⚙️
Am St.-Mang-Platz und in der St.-Mang-Kirche richtet sich der Blick auf Formen der Opposition. Das Rathaus als Sitz der NS-Verwaltung steht für die bürokratische Organisation von Ausgrenzung und Gewalt. In der Residenzplatz 23 erinnert ein Stolperstein an Max Schwer, ein Euthanasieopfer. Die Residenz beziehungsweise das Gericht war Ort von NS-Gerichtsverfahren – ein Hinweis darauf, wie Unrecht juristisch legitimiert wurde. ⚖️⛪
Der Rundgang führt zudem ins Kempten-Museum, wo KZ-Zeichnungen ausgestellt sind. Sie geben Einblick in individuelle Erfahrungen von Haft und Entmenschlichung und schlagen eine Brücke zwischen historischen Orten im Stadtraum und musealer Erinnerungskultur. Damit verbindet der Stadtrundgang „Es geschah genau hier.“ in Kempten den öffentlichen Raum mit dokumentierter Geschichte. 🖼️📝
Konzipiert wurde der Stadtrundgang im Zuge der aktiven Aufarbeitung der NS-Zeit in Kempten vom Kulturamt und von Tourismus Kempten. Beteiligt waren Anja Schuller-Müller M.A., freie Mitarbeiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau und Expertin für NS-Geschichte sowie Holocaust Education, und Karin Lucke-Huss M.A., Stadtführerin, Reiseleiterin und Buchautorin. Gefördert wird das Projekt durch den Rotary Club Kempten. 🤝📖
Die Veranstaltung richtet sich an Jugendliche und Erwachsene ab 14 Jahren. Sie versteht sich als Beitrag zur Erinnerungskultur in Kempten und als Einladung zur Auseinandersetzung mit lokaler Geschichte. Wer durch Straßen und Plätze geht, begegnet nicht nur Architektur, sondern Geschichten von Menschen, Entscheidungen und Konsequenzen. 🧭🕯️
Weitere Informationen zur Erinnerungskultur in Kempten sind unter www.kempten.de/erinnerungskultur zu finden. Auskünfte zum Stadtrundgang „Es geschah genau hier.“ in Kempten erteilt das Team unter museen@kempten.de oder telefonisch unter (0831) 2525-7777. 📩☎️
🔎 Wichtige Infos auf einen Blick
- 🏛️ Was? Stadtrundgang zum Nationalsozialismus „Es geschah genau hier.“
- 📍 Wo? Verschiedene Stationen im Stadtgebiet Kempten (u. a. August-Fischer-Platz, Allgäuhalle, Rathaus, Kempten-Museum)
- 👥 Für wen? Jugendliche und Erwachsene ab 14 Jahren
- 🕰️ Dauer & Ablauf? Geführter Rundgang zu historischen Orten mit Einordnung verschiedener Perspektiven
- 🎟️ Eintritt? 9 Euro ab 18 Jahren, Schüler und Studenten frei
- 🤝 Konzeption? Kulturamt und Tourismus Kempten in Zusammenarbeit mit Anja Schuller-Müller M.A. und Karin Lucke-Huss M.A.
- 💛 Förderung? Rotary Club Kempten
- 📚 Schwerpunkt? NS-Geschichte Kemptens, Opfer- und Täterperspektiven, lokale Erinnerungskultur
- 📩 Kontakt? museen@kempten.de | Tel. (0831) 2525-7777
- 🌐 Mehr Infos? www.kempten.de/erinnerungskultur
Foto: Ralf Lienert
Der Stadtrundgang zum Thema Nationalsozialismus in Kempten bietet nicht nur historische Einblicke, sondern regt auch zum Nachdenken über die dunklen Kapitel der Vergangenheit an. Durch die Auseinandersetzung mit den Orten, die eng mit der Geschichte des Nationalsozialismus verbunden sind, wird den Teilnehmenden die Möglichkeit gegeben, sich mit den Schrecken der Vergangenheit auseinanderzusetzen und zu reflektieren. Gerade in der heutigen Zeit, in der rechtsextreme Tendenzen wieder auf dem Vormarsch sind, ist es wichtiger denn je, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und aus ihr zu lernen.
Die kostenlose Führung, die durch die finanzielle Unterstützung des Rotary Club Kempten ermöglicht wird, leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur und zur Sensibilisierung für die Gefahren von Extremismus und Rassismus. Indem die Teilnehmenden die Möglichkeit erhalten, sich aktiv mit der Geschichte auseinanderzusetzen, wird ein Bewusstsein für die Bedeutung von Toleranz, Respekt und dem Schutz von Minderheiten geschaffen. Dieser Stadtrundgang ist somit nicht nur eine historische Bildungsmaßnahme, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und zur Prävention von extremistischen Tendenzen.